Methoden der TCM

TCM – Traditionelle Chinesische Medizin. Bei dieser mittlerweile auch in der westlichen Welt verstärkt angewendeten Heilmethode werden vorgegebene Hautstellen – Akupunkturpunkte, die auf Meridianen liegen – mit Nadeln gereizt. Den Elementen (Wasser, Feuer, Holz, Metall und Erde) werden Yin- und Yang-Meridiane zugeschrieben. Zusätzlich gibt es noch weitere Meridiane mit speziellen Eigenschaften. Die einzelnen Akupunkturpunkte haben in China bestimmte Namen, im Westen wurden den Punkten Nummern zugeteilt. Die Auswahl der Punktkombination erfolgt gemäß der Wirkung, die den jeweiligen Punkten zugeschrieben wird, und gemäß ihrer Meridiandynamik.

Akupunktur

Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Bei einer Erkältung wird häufig der Punkt Dickdarm 20 gestochen. Diesem Punkt, der sich direkt bei der Nase befindet, wird die Eigenschaft zugeschrieben, den „äußeren Wind“ (als krank machenden Faktor) zu vertreiben. Dickdarm 20 wird gerne mit dem am Unterarm befindlichen Punkt Lunge 7 kombiniert. Hier wird also auf den Funktionskreis Metall (=Lunge) Rücksicht genommen, da Erkältungen eine Erkrankung der Lunge sind.

Wird ein Akupunkturpunkt richtig gestochen, verspürt man zumeist ein elektrisches, eher unangenehmes Gefühl. Bestandteile der Akupunktur sind auch Moxibustation – Behandlungen mit glühenden, aus gepressten Beifußkraut bestehenden Moxastangen, die in die Nähe von Akupunkturpunkten gehalten werden, um diesen Wärme zuzuführen – und Ohrakupunktur (häufig mittels Dauernadeln).

Phytotherapie

In China hat die Anwendung von Kräutern zur Erhaltung der Gesundheit bzw. Bekämpfung von Krankheiten einen wesentlich höheren Stellenwert als die Akupunktur. In der westlichen Welt werden chinesische Kräuter hingegen seltener angewandt, da die Arbeit mit diesen Rezepturen eine fundiertere Kenntnis der Traditionellen Chinesischen Medizin erfordert, als dies bei der Akupunktur der Fall ist.

Auch bei der Phytotherapie werden den verwendeten Substanzen – Kräutern, Mineralien und Tierbestandteilen – bestimmte Eigenschaften zugeschrieben. So werden etwa Substanzen beschrieben, die den Körper wärmen (das Yang stärken) oder kühlen (das Yin stärken) können. Andere wiederum stärken das Qi des Körpers bzw. wirken direkt auf einzelne Funktionskreise der fünf Elemente, indem sie diese fördern oder schwächen, wenn zu viel von einem Element vorhanden ist.

Die vom behandelnden Arzt zusammengestellte Rezeptur basiert auf:

  • Anamnese – Erhebung der Krankengeschichte
  • Pulsdiagnose – mittels verfeinerter Pulstastung werden die Organe beurteilt
  • Zungendiagnose – Strukturveränderungen wie Furchen, Farbabweichungen und Schwellungen lassen Rückschlüsse auf die Organsysteme zu.

Diese Rezeptur, die aus einer ausgewogenen Fülle von Substanzen besteht, wird zumeist verkocht und muss infolge mehrmals täglich über eine längere Zeitspanne getrunken werden.

Tuina (An Mo)

Diese Behandlungsform orientiert sich stark an der Akupunktur. Bei Tuina werden aber keine Nadeln verwendet, sondern die Meridiane und Akupunkturpunkte mittels spezieller Grifftechniken behandelt.

Qi Gong, Tai Qi

Im Anschluss an eine grundsätzliche Anleitung soll der Patient diese sanften Bewegungstechniken schließlich selbstständig durchführen. Ziel der Übungen ist es, Körper und Geist zu harmonisieren und zu zentrieren. Qi Gong und Tai Qi bestehen weniger als eigenständige Therapie, sondern werden vielmehr als wichtige begleitende Maßnahme verstanden. Tai Qi ist auch als „Schattenboxen“ bekannt.

Ernährung

Konsequenterweise werden auch den Nährstoffen bestimmte Eigenschaften zugeschrieben. Daher ist eine Umstellung der Ernährung in der Traditionellen Chinesischen Medizin ein wichtiger Faktor, um ein Leben in Harmonie und Einklang führen zu können.

Wo kommen TCM-Methoden zur Anwendung?

In China gibt es keine Indikationseinschränkungen, was sich recht deutlich darin zeigt, dass in beinahe jedem Spital eigene TCM-Abteilungen bestehen.

In Europa wird bei Störungen und Schmerzen des Bewegungsapparates gerne die Akupunktur herangezogen. Durch den in bestimmten Bereichen erbrachten wissenschaftlichen Wirkungsnachweis sind die Krankenkassen in diesen Fällen auch bereit, die Kosten teilweise oder sogar vollständig zu übernehmen. Voraussetzung ist jedoch, dass die Behandlung bei einem Arzt erfolgt, der ein Akupunktur-Diplom der Österreichischen Ärztekammer besitzt.

Die Therapie mittels Kräutern und ähnlichen Substanzen zeigt laut Erfahrungsberichten gute Erfolge bei funktionellen Störungen und chronischen Infekten.

Welche Nachteile gibt es?

Mit Nadeln gestochen zu werden, ist nicht jedermanns Sache, auch wenn diese noch so dünn sind. Bei manchen (übertriebenen) Stichtechniken oder sensiblen Personen kann es auch leicht zu einem Kreislaufkollaps kommen.

Zuweilen können auch Gefäße verletzt werden, so dass es zu Blutergüssen kommt. Menschen mit Blutgerinnungsstörungen sollten daher auf die Anwendung tiefer Stichtechniken verzichten. Es liegen auch Berichte über die Verletzung von Organen vor (Lunge, Pneumothorax, Leber, Herz).

Da in Europa vorwiegend Einwegnadeln verwendet werden, kommt es äußerst selten zu Infektionen und Entzündungen an der Einstichstelle. In Asien, insbesondere in den Provinzen, ist es allerdings noch immer üblich, die Nadeln mehrmals und an verschiedenen Personen zu verwenden, wodurch die Gefahr einer Infektion (z. B. Hepatitis B oder C, HIV) deutlich erhöht ist. Diesen Umstand sollte man bei Behandlungen in solchen Ländern bedenken.

Bedauerlicherweise haben die chinesischen Rezepturen einen eher unangenehmen Geschmack bzw. Geruch, so dass es manchmal einer gewissen Überwindung bedarf, um diese auch regelmäßig einzunehmen. Eine schlecht oder falsch zusammengestellte Rezeptur kann durchaus auch unerwünschte Nebenwirkungen nach sich ziehen. Dies zeigt deren starke Wirksamkeit und sollte Anlass genug sein, diese Therapieform ausschließlich in kompetente Hände zu legen. Die Therapie mit chinesischen Kräutern ist somit sicher nicht zur Selbstmedikation geeignet.

Die meisten im europäischen Raum verwendeten Substanzen kommen aus Asien. Leider ist es nicht immer möglich, ihre Reinheit zu garantieren. So haben Stichproben gezeigt, dass manche Substanzen mit Pestiziden oder Schwermetallen verunreinigt sind. Im asiatischen Raum kommt es auch immer wieder vor, dass Bestandteile von Tieren, die vom Aussterben bedroht sind, zur Herstellung verwendet werden. Diese Produkte sind in Europa aus ethischen Gründen nicht erlaubt.

Infotext „Methoden der TCM“ von netdoktor.at – Dr. Erich Mayer-Fally

 

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